H. Eberhard Fischer

Motivieren, Entscheiden und Wollen aus
ethologischer und psychologischer Sicht

1. Auflage 2005, 490 Seiten, 14,80  EUR

ISBN: 3-88074-473-4


Motivieren, Entscheiden und Wollen gehören zu den psychischen Aktivitäten, denen die Psychologen unentwegt Aufmerksamkeit schenken. Wie wirken Strebungen, Gefühle, Wünsche, Bedürfnisse, Überlegungen und Grundsätze mit den im menschlichen Urgrund aufgehobenen biologisch-genetischen Gegebenheiten (mit den Trieben und instinktartigen Regungen) zusammen, um das zu ergeben, was „Motivieren“ und schließlich „Wollen“  genannt wird? Motive, soweit sie nicht unversehens in das Wollen einmünden, bilden die Grundlage für eine Wahl zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten der Zukunftsgestaltung; der Mensch steht in einer multivalenten Situation, die eine Entscheidung notwendig macht und in der Regel in ein bestimmtes Wollen einmündet. Die Analyse des Willensphänomens führt zu der Erkenntnis, dass das Wollen bzw. die Willenshandlung (Wollensausführung) einerseits vom Verlangen, von Wünschen „getragen“ wird, die von Gefühlsstrebungen ihre Impulse erhalten  (Wollen des endothymen Grundes), andererseits von Überlegungen, Verpflichtungen, Aufträgen und Grundsätzen ihren Ausgangspunkt nehmen (Wollen des personellen Oberbaues). Die vier konstitutiven Elemente, die beiden Wollensformen gemeinsam sind, werden aufgezeigt: Motiv, Zielvorstellung, Zustimmung (Billigung) und Ichaktivität. Diese psychischen Gegebenheiten werden in ihrer Eigenart, ihrem Zusammenspiel und den gegenseitigen Abhängigkeiten analysiert. Bei der erstgenannten Wollensform kommt noch die Gefühlsstrebung, bei der zweitgenannten eine Energie verbrauchende Aktivität, die „innere Willenshandlung“ genannt werden kann, als konstitutives Element hinzu. Besonders zu erwähnen sind noch der Entschluss sowie die Willenswiderstände (Wollenshindernisse), die in innere (psychische) und äußere Widerstände des Wollens untergliedert werden. Erstgenannte sind für das Wollen des personellen Oberbaues typisch; es handelt sich um die Widerstände in der eigenen Brust (z.B. um bestimmte Wünsche, die einem übergeordneten Wollen zuliebe willentlich „unterdrückt“ werden müssen). Die Mannigfaltigkeit des Wollens wird dargelegt und in einer Abbildung erfasst. Außerdem wird noch die Willensstärke einer Betrachtung unterzogen und schließlich der Übergang vom Wollen zum Handeln und die Handlung selbst untersucht.

       Inhaltsverzeichnis

1             EINLEITUNG

1.1        Der Gegenstand der Untersuchung

1.2        Methodologische Möglichkeiten zur Erhellung des Willensphänomens

     Einige Bemerkungen zur historischen Entwicklung

              Wege zur Erhellung psychischer Phänomene

              Fragen des methodologischen Herangehens an psychische Phänomene im Licht des Verhältnisses vom objektiv

              Gegebenen zum subjektiv Widergespiegelten und Erlebten

1.3         Die Willenstheorien aus historischer Sicht

2             ANALYSE DER FÜR DAS WOLLEN CHARAKTERISTISCHEN  ELEMENTE UND DEREN BEDEUTUNG  IM  WOLLENSGESCHEHEN

2.1         Problemstellung

2.2         Vom Instinkt zum  Wollen

2.2.1           Der Mensch, ein Wesen mit erweiterter Erbinformation

2.2.2           Meinungen über das Wesen des Instinktes

2.2.3           Problematische Aspekte der Beziehung zwischen dem „Instinktiven“, dem Emotionellen und dem Wollen beim  Menschen

2.2.4           Die Beziehung zwischen Trieb und „Instinkt“ beim Menschen

2.2.5           Willkürliche und unwillkürliche Bewegungen in ihrer Beziehung zum Reflex

2.2.6           Zusammenfassende Bemerkungen zum Ererbten, „Instinktiven“ und Gelernten beim Menschen

2.3        Die Vorstufen des Wollens beim Kind

2.3.1           Bewegungen und „instinktives“ Verhalten beim Säugling und beim  Kleinkind

2.3.2           Vorstellungen, Gefühle und das Wollen beim Kleinkind

2.4        Die Gefühlsstrebung

2.4.1           Zur gegenseitigen Abgrenzung der Termini Empfindung, Gefühl, Strebung und Vorstellung sowie deren Beziehung  zueinander ...

2.4.2           Zum Begriff der Strebung

2.4.3           Streben, Widerstreben, Gegenstreben, Zwangsstreben

2.4.4           Zur quantitativen Abstufbarkeit der Strebung

2.4.5           Strebungsenergie und Willensenergie

2.5        Das Motiv

2.5.1           Wollensmotiv und Wollensursache

2.5.2           Zur Problematik der Motive im Lichte einiger Meinungen

2.5.3           Motiv, Scheinmotiv, Absicht, Zweck

2.6        Die Zielvorstellung

2.6.1           Zielvorstellung und Bezugsvorstellung

2.6.2           Die Zielvorstellung als Blankovorstellung

2.6.3           Die Bezugsvorstellung und die Mittel des Wollens. Beziehungen zwischen Bezugsvorstellung und Mittel

2.6.4           Zur Modalität der Ziel- und der Bezugsvorstellung

2.7        Die Willenswiderstände

2.7.1           Äußere und innere (psychische) Widerstände

2.7.2           Die Dialektik von Mittel und Widerstand

2.7.3           Willensenergie und Willenswiderstand. Der ökonomische Weg zum Ziel

2.7.4           Die Trägheit als Initialwiderstand

2.8        Die geistige Schicht, die Intelligenz und der Wille

2.8.1           Die Intelligenz als Widerstand und Mittel des Wollens

2.8.2           Das Ichbewußtsein und die Intelligenz – wichtige Faktoren des Wollens

2.8.3           Der Denkakt als Wollen und im Wollen

2.9        Die Aufmerksamkeit

2.9.1           Zum Wesen und zur Bedeutung der unwillkürlichen und der willkürlichen Aufmerksamkeit

2.9.2           Die Aufmerksamkeit in ihrer Beziehung zum Wollen des endothymen Grundes und des personellen Oberbaues

3              ZUM WESEN DES WILLENS

3.1        Problemstellung

3.2         Das Wollen in seiner Mannigfaltigkeit

3.2.1           Analyse der Bedingungen des Wollens. Die Willenshandlungen des endothymen Grundes und des personellen Oberbaus

3.2.2           Zur Bedeutung von Gefühlsstrebungen, Vorstellungen, der Aktivität des Ich beim Auftreffen auf Widerstände und bei der Billigung im   Wollen

3.2.3           Zum Unterschied zwischen Entschluß und Billigung. Die Bedeutung der vom Ich vorgenommenen aktiven Selektion für das Wollen. Zur Willensanalyse bei Meumann

3.2.4           Die wesentlichen Elemente des Wollens bei Lindworsky. Zur Problematik des Entschlusses als Willensbestätigung.

3.2.5           Zusammenfassende Betrachtungen über die Bedingungen und konstitutiven Elemente des Wollens. Das innere   Wollen

3.2.6           Verschiedene Willensvarianten. Das Willensphänomen in seiner Mannigfaltigkeit

3.3        Zur Problematik der Stärke des Wollens

3.3.1           Die verschiedenen Aspekte des Problems

3.3.2           Meinungen zum Problem der Stärke des Wollens

3.3.3           Zur Frage über die Möglichkeit des Menschen, das Wollen zu erlernen und Stärke des Wollens zu erlangen

4             VON DER MULTIVALENTEN SITUATION ZUR WILLENSHANDLUNG

4.1           Problemstellung

4.2           Die multivalente Situation

4.2.1           Der Weg von der Motivation zum Entschluß

4.2.2           Verschiedene Varianten der multivalenten Situation und der Zustimmung. Willenshandlungen mit und ohne vorhergehende multivalente Situation

4.2.3           Die Varianten der multivalenten Situation bei Thomae

4.3        Der Entschluß

4.3.1           Zur Charakterisierung und Abgrenzung des Entschlusses

4.3.2           Die Endphase der multivalenten Situation. Der Entschluß im Licht der Auffassungen von Rubinstein, Lindworsky und Pfänder

4.3.3           Die Beziehung zwischen dem Willensakt im Sinne Achs und dem Entschluß. Das innere Sprechen: „Ich  will!“

4.3.4           Zur zeitlichen Gliederung einiger Wollenselemente beim Entschlussfassen

4.4        Die Willenshandlung (Wollensausführung)

4.4.1           Handlung, Tätigkeit, Verhalten – Arbeit, Lernen, Spiel

4.4.2           Der Übergang vom Wollensentwurf zur äußeren Handlung

4.4.3           Aspekte der Handlung im Licht des Handlungsvollzuges

4.4.4           Zur Bedeutung von Assoziationen und Fertigkeiten im Handeln. Erledigung und Ersatzerledigung

4.4.5           Die Handlung und die determinierenden Tendenzen

4.4.6           Antriebs-, Orientierungs-, Ausführungs- und Kontrollregulation – die vier Funktionen der Handlungsregulation

5       LITERATUR

6       AUTORENREGISTER

7      SACHREGISTER