M. Masud R. Khan
Erfahrungen im Möglichkeitsraum. Psychoanalytische Wege zum verborgenen Selbst.

2. Aufl. 2003, kartoniert., 325 Seiten, EUR 19,80,    ISBN 3-88074-463-7

 

Der erfahrene Psychoanalytiker Masud Khan beeindruckt in seinem zutiefst humanen Buch durch seine Offenheit, seine Nähe zum Klienten und seine sprachliche Klarheit. In der Analyse geht er seinen eigenen, intensiven Weg, den er in diesem Buch durch viele Fallbeispiele und Lebensgeschichten darstellt und der durch erstaunliche Erfolge und überraschende Resultate überzeugt.  Insgesamt ein reiner Lesegenuss!

„Die klinische Arbeit, von der ich in diesem Buch erzähle, beansprucht keineswegs, eine ‚wissenschaftliche‘ Abhandlung über das Leiden des Anderen anzubieten. Vielmehr ist sie ein Versuch zum gemeinsamen Diskurs zwischen mir und dem Anderen, in dem jeder von uns seine eigenen Beiträge liefert- oder sich ihrer auch enthält....Man lernt das Unerklärliche zu tolerieren, um das Gespräch zu ermöglichen und auf diese Weise jenes unvorhersagbare Wachstum zu erzeugen, das, wenn es sich verwirklicht, ‚Heilung‘ genannt wird. Und ‚Heilung‘ heißt, die lustvolle Beschwerlichkeit jener Aufgabe zu leben – und zu erfahren.“ Masud Khan.


Vorwort
 
                               Geh, geh, geh, sprach der Vogel: die Menschen Ertragen nicht sehr viel Wirklichkeit.

T S. Eliot, Burnt Norton
 

Wenn man eine gute Erziehung genossen hat, zuweilen er­folgreich war und anderen aus vollen Händen gegeben hat, dann gelangt man an einen Punkt, an dem die Vergangen­heit zum Nährboden wird, der die Gegenwart befruchtet. Diese Befruchtung des Selbst ist immer etwas, das man in­tensiv sucht, aber niemals vollständig erreicht, denn im tief­sten Innern haben wir Menschen Angst, selbst vor dem, was uns wachsen läßt. Also leben wir verborgen und im Innern gespalten, hin und wieder teilen wir ein wenig mit dem Anderen, vorwiegend aber verheimlichen wir, wachend wie träumend.

Die klinische Arbeit, von der ich in diesem Buch erzähle, beansprucht keineswegs, eine »wissenschaftliche« Abhand­lung über das Leiden des Anderen anzubieten. Vielmehr ist sie ein Versuch zum gemeinsamen Diskurs zwischen mir und dem Anderen in dem jeder von uns seine eigenen Bei­träge liefert - oder sich ihrer auch enthält. So finden in dem von Freud erfundenen Übergangsraum, der gewöhnlich als analytische Situation bezeichnet wird, Begegnungen statt, in denen das vorhandene Nicht-Vertrauen auf beiden Seiten nur allmählich abgebaut und es mitunter möglich wird, daß jeder sein verborgenes Selbst mit dem Anderen teilt. Neu­gierde ist hierbei nur störend, unser metapsychologisches Vokabular ein Hindernis. Man lernt, das Unerklärliche zu tolerieren, um das Gespräch zu ermöglichen und auf diese Weise jenes unvorhersagbare Wachstum zu erzeugen, das, wenn es sich verwirklicht, »Heilung« genannt wird. Und Heilung heißt, die lustvolle Beschwerlichkeit jener Aufgabe zu leben - und zu erfahren.

Ich habe mit Hilfe von Metapher und Anekdote versucht mitzuteilen, wie der klinische Prozeß nach und nach zwei Personen in eine gemeinsame Beziehung verwebt und sie, wenn alles gut geht, rechtzeitig befähigt, sich würdevoll und zu den verborgenen Bereichen ihres Selbst erwacht vonein­ander zu trennen.

                        Mai 1982                M. Masud R. Khan


          Inhalt

                               Danksagung                                                                                                               9

                                Vorwort                                                                                                                   11

                1.             Freud und die Wendepunkte psychotherapeutischer Verantwortung                     13

                2.             Jenseits des Traumerlebens                                                                                    63

                3.             Der Mißmut des Hysterikers                                                                                     77

                4.             Niemand kann seine Verrücktheit aussprechen                                                       91

                5.             Von der Verschlossenheit zum gemeinsamen Leben                                             139

                6.             Das Geheimnis als Möglichkeitsraum                                                                     155

                7.             Der leere Kopf                                                                                                         173

                8.             Die böse Hand                                                                                                         223

                9.             Frühe Kindheit, Alleinsein und Wahnsinn                                                               291

                10.           Brachliegen                                                                                                             295

 

       Chronologische Bibliographie                                                                                  305

                               Literatur                                                                                                                    306

                               Namen- und Sachregister                                                                                         319