Erwin Lemche
Das Körperbild in der psychoanalytischen Entwicklungspsychologie
2. Auflage 1999, 120 Seiten, kartoniert
14,20  EUR, 25,85 SFr,
ISBN 3-88074-250-2

Die gegenwärtige Diskussion um die Rolle des Körpers in der psychoanalytischen Theorie macht deutlich, welche konzeptuellen Defizite noch bestehen, um die Rolle des Körperlichen im Seelenleben tiefer nachvollziehen zu können. Das vorliegende Buch gibt einen umfassenden und erschöpfenden Überblick über die verschiedenen Ansätze zu Körper-Ich, Körperschema, Körperbild und Körperselbst in der Psychoanalyse.


Inhalt:

1. Die Paradigmata der psychoanalytischen Theoriebildung

1.1 Definition des Begriffs der paradigmatischen Entwicklungsniveaus

1.2 Die libidooekonomische Phase 1895�1925

1.3 Die klassisch-ichpsychologische Phase 1925�1950

1.4 Der Objektbeziehungsansatz und seine Einflüsse seit 1950

1.5 Der selbstpsychologische Diskurs seit 1975

2. Freuds programmatischer �Psychophysischer Parallelismus� und die �ideengeschichtliche� Notwendigkeit der Einbindung des Körpers in die Metapsychologie

3. Methodisches Vorgehen, inhaltliche Übersicht und frühe Vorläufer (Tausk)

4. Die Londoner Sprachregelung. Von Freuds neurophysiologischem Körper-Ich zur Koordination verschiedener Erfahrungsinseln als differenzierender und integrierender Entwicklungsvorgang im Ich

4.1 Das Körper-Ich in hirnphysiologischer Analogie. Der Beitrag von Sigmund Freud

4.2 Die Bemächtigung des Körpers durch das Ich. Der Beitrag von Siegfried Bernfeld

4.3 Die Dynamik des körperlichen Ichgefühls. Der Beitrag von Paul Federn

4.4 Die Ich-Kerne und ihr Zusammenwachsen. Der Beitrag von Edward Glover

4.5 Die Entwicklungslinie der Körperlichkeit. Der Beitrag von Anna Freud

4.6 Die Koordination von Hand, Augen und Mund als Kern des Körper-Ichs. Der Beitrag von Willie Hoffer

4.7 Das Körper-Ich als ein Apparat primärer Autonomie. Der Beitrag von Heinz Hartmann

4.8 Koenaesthesie und Körper-Ich als Vorstufen des Ichs. Der Beitrag von René Arpad Spitz

5. Die New Yorker Terminologie-Linie: Von der neurophysiologischen Regulation zur Repräsentation gelebter, körperbezogener Erfahrungen

5.1 Das Körperbild im Schnittpunkt von Neurologie, Libidotheorie und Sozialpsychologie. Der Beitrag von Paul Ferdinand Schilder

5.2 Das Auftauchen der Körperimago aus dem psychophysischen Urselbst. Der Beitrag von Edith Jacobson

5.3 Das Körperbold und die Entstehung der Geschlechtsidentität. Der Beitrag von Phyllis Greenacre

5.4 Die Konstitution des Körperbildes als Grundmoment des lndividuationsprozesses. Der Beitrag von Margaret S. Mahler

5.5 Das Körperbild als phasenspezifische Organ-Objekt-Brücke. Der Beitrag von Judith S. Kestenberg

6. Ansätze zur Begründung eines Begriffes des Körper-Selbst auf Basis der Konzeptualisierung des körperlichen Selbstgefühls

6.1 Die Dilemmata einer reinen Selbstpsychologie

6.2 Zonenregulation und Körperselbst. Der Beitrag von Peter Joraschky

6.3. Die Ontogenese des Körperselbst im Spiegelbild. Der Beitrag von John B. McDevitt und Margaret S. Mahler

6.4 Körperbezogene Realitätswahrnehmung und Selbstgefühl. Der Beitrag von Joseph D. Lichtenberg

6.5 Körperwahrnehmung und Kern-Selbstgefühl. Der Beitrag von Daniel N. Stern

7. Annäherung an eine Definition des Körperbildes

7.1 Zusammenfassung und Auswertung der terminologisch-historischen Untersuchung

7.2 Diskussion aufgetauchter und verbleibender Probleme

7.3. Definitionsvorschlag für eine integrative Deftnition des Körperbildes auf Grundlage der erarbeiteten Kriterien

Bibliographie

 

Leseprobe:

1. Die Paradigmata der psychoanalytischen Theoriebildung

1.1 Definition des Begriffs der paradigmatischen Entwicklungsniveaus

Bevor auf einzelne Autoren und ihre Schriften und Beiträge hinsichtlich des Körperbildes eingegangen werden kann, soll hier ein Rahmen vorangestellt werden, in dem die Beiträge einzelner Autoren hinsichtlich ihres ideengeschichlichen Entwicklungsgrades klassifiziert werden können. Dazu werden hier drei Paradigmata � daß heißt an dieser Stelle, Entwicklungsniveaus der psychoanalytischen Theoriebildung, mit ihren typischen Erklärungsmustern dargestellt. Die Nomenklatur der Paradigmata entspricht der communis opinio, lediglich Datierung, Charakteristik könnten zu Diskussionen Anlaß geben. Der hier angegebene Rahmen erlaubt es zum einen, Einzelarbeiten historisch einzuordnen, und läßt zum anderen verständlich werden, warum sich an bestimmten Stellen der Theoriegeschichte bestimmte Fragestellungen herausgebildet haben.

Der Begriff des Paradigmas wurde von Thomas F. Kuhn 1962 in die Wissenschaftsphilosophie eingeführt anhand der geschichtlichen Schilderung der naturwissenschaftlichen Entdeckungen der früheren Jahrhunderte (Kuhn 1962, pp. 57-63, 65,187, 193, 199). Kuhn beschreibt die paradigniatischen Denkweisen als in einem Gruppenprozeß verhaftete, implizite oder explizite Regelgebäude. In einer Nachschrift von 1969 betont Kuhn nochmals die Gruppenbezogenheit dieser wissenschaftlichen Denkmuster sowie die Abhängigkeit von Musterbeispielen für die Konstitution eines Paradigmas (Kuhn 1962, 187, 193, 199). Im späteren Sprachgebrauch wird der Begriff des Paradigmas vor allem in zwei Richtungen hin ausgedehnt: In der allgemeinen Wissenschaftstheorie wird darunter heute ein metatheoretischer Bezugsrahmen verstanden, so zum Beispiel ,empirisch-analytisches� vs. ,hermeneutisches� Herangehen, oder ,nomothetisches" vs. ,idiographisches� Verständnis, usw. Im Bereich der experimentell-psychologischen Forschung hingegen wird zum Beispiel unter Paradigma ein bestimmter experimenteller Ansatz bezeichnet, in welchem die Randbedingungen auf typische und einander ähnliche Weise konstelliert sind, so zum Beispiel das �Familiaritätsparadigma� oder die ,Strange-Situation� nach Ainsworth, etc.

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