Hilarion Petzold

Drogentherapie

Modelle, Methoden, Erfahrungen

7., unveränderte Auflage 2003, 543 Seiten, kartoniert

40,80  EUR, 72,60 SFr,

ISBN 3-88074-220-0

Hier wird zum ersten Mal im Bereich deutschsprachiger Veröffentlichungen zum Drogenproblem eine umfassende Information über Modelle, Methoden und Erfahrungen der Drogentherapie in Deutschland und den USA gegeben.


Inhaltsverzeichnis:


Vorwort                                                                                                                                         7

 
H. Petzold, Neuss/Paris:
Therapeutische Modelle und Me­thoden in der

Behandlung Drogenabhängiger                                                                                                  11

 
Petzold, Neuss/Paris: Daytop, das “Konzept” einer the­rapeutischen

Gemeinschaft für die Rehabilitation Drogenab­hängiger                                                             62

 
Lewis Yablonsky, San Francisko: Synanon, ein neuer Weg in der

Behandlung Drogenabhängiger                                                                                                  96

 
Daniel Casriel, New York:
Die Dynamik von Synanon                                                                105

 
H. Petzold, Neuss/Paris:
Phoenix und Odyssey Houses als Modelle

in der Behandlung Drogenabhängiger                                                                                     122

 
H.Petzold, Neuss/Paris: Das Vierstufenmodell der thera­peutischen

Kette in der Behandlung Drogenabhängiger                                                                            133

 
Karsten Sturm, Andreas Meyer, Hannover:
Gruppendyna­mik und

Gruppentherapie bei der Behandlung Drogenab­hängiger im

,Four-Steps-"Modell der therapeutischen Wohngemeinschaft                                                  223

 
Rudi Wormser, München:
Verhaltenstherapie bei Drogenabhängigen                                     238

 
H. Petzold, Neuss/Paris: Tetradisches Psychodrama in der Gruppentherapie

mit Alkoholikern                                                                                                                        269


Max Fink, New York:
Narkotika-Antagonisten in der The­rapie der Opiatabhängigkeit              317

 
Ingrid Baumert, Berlin: Arbeitsweise einer psychiatrischen Station für

jugendliche Drogenabhängige                                                                                                   328

 
Karl A., Geck, Heidelberg: Die Heidelberger Free Clinik                                                            344

 
Hans Haindl, Christian Veit, Räbke: Erfahrungen aus dem Four-Steps-Modell

der therapeutischen Wohngemeinschaft in Räbke                                                                     363

 
Autoren:  Klienten des Landhauses: Das ,,Four-Steps”-Haus Dürrnbuch in der

Vierstufenkette Nürnberg                                                                                                             384

 
Gunild Baldini und Wolfgang Fricke: Sieben Zwerge - Auf dem Wege zu einem

Therapiedorf für Drogenabhängige                                                                                             392

 
Mitarbeiter des Daytop-Programms, Fridolfing: Daytop in Deutschland                                        409

 
Yvonne Bachmann, Basel: Ein Work-Shop für Jugendliche                                                          435

 
Susanne Vollmer, Hannover: Streetwork                                                                                       445

 
Jürgen Lotze, Rainer Stasch,, Olga Mohr, Susanne Vollmer, Marie-Louise Rabe,

Andreas Meyer, Hilarion Petzold, Han­nover: Konzeption des Ambulanten

Therapieprogramrns unter Verwendung von Methadon (ATM)                                                      450

 
Charlotte Kurz, Nürnberg: Elternarbeit in der Drogenbera­tungsstelle

der Vierstufenkette Nürnberg                                                                                                         457

 
Dieter Frommhage, Hannover: Klageschrift über Geldman­gel in therapeutischen

Wohngruppen für Drogenkranke (am Beispiel Niedersachsens)                                                     460

 
H. Petzold, Neuss/Paris: Programmatische und curriculare Überlegungen zur

Ausbildung von Suchtkrankentherapeuten und –betreuern                                                             473

 
H. Petzold, Neuss/Paris: Das Planspiel im methodenvari­ablen Laboratorium für die

Ausbildung von Suchtkranken­therapeuten – Materialien                                                                 503

 
Bernhard Menzemer, Frankfurt: Jugendberatung, Hermann-Hesse-Schule und

Wohngruppen der Rehakette Frankfurt                                                                                             514

 
H. Petzold, Neuss/Paris: Konzepte zur Drogentherapie                                                                      524

 
Bibliographie                                                                                                                                     528

 
Mitarbeiter                                                                                                                                         541

 

Vorwort:

Die Behandlung und Rehabilitation Drogenabhängiger gehört zu den schwierigsten Problemen der Psycho- und Soziotherapie. Für die Situation in der Bundesrepublik kommt hinzu, daß es sich dabei um ein relativ neues Problem handelt - von der Behand­lung Alkoholkranker einmal abgesehen. Man konnte auf keine ,,Traditionen" zurückgreifen. Erfahrungen aus anderen Ländern, vornehmlich den USA und Schweden, wurden kaum zur Kennt­nis genommen und gewinnen erst in jüngster Zeit stärkeren Einfluß, wobei sich deutlich zeigt, daß vieles nicht übertragbar ist und eine Adaption immer im Hinblick auf die spezifische Situ­ation ,,unserer" Drogenszene erfolgen muß. Es haben sich in den vergangenen fünf Jahren zahlreiche Initiativen im Bereich der Drogentherapie entwickelt. Eine kritische Evaluation dieser Ver­suche im Hinblick auf ihre Effizienz ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich. Kennzeichnend jedoch ist, daß in der Mehr­zahl keine durch gehenden Konzepte vorhanden sind, was die therapeutischen Modelle und Methoden anbelangt. Die Frage, in welchem Rahmen und mit welchem Verfahren sich effektive Drogentherapie durchführen läßt, steht weitgehend offen. Man muß mit Besorgnis feststellen, daß immer noch partielle und punktu­eIle Maßnahmen getroffen werden. Es werden neue Drogenbera­tungsstellen ohne nachfolgende klinische Programme und Dro­genkliniken ohne Nachsorgeeinrichtungen aufgebaut. Es fehlt an regionaler und überregionaler Koordination und Kooperation. Jede neue Einrichtung entwickelt ihr eigenes Konzept, meistens ohne daß an schon gewonnene Erfahrungen angeknüpft wird. Ich bin der Auffassung, daß ein uniformes Modell und eine Stan­dardmethode der Drogentherapie nicht möglich und auch nicht wünschenswert ist - die Population der Drogenabhängigen ist in ihrer Struktur viel zu heterogen, als daß es die Lösung geben könnte. Dennoch erscheint es mir wichtig festzustellen, daß sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt Therapiemodelle und Behandlungsmethoden herausbilden und stabilisieren, die das Stadium des Experimentierens verlassen, weil sie einen gewissen Erfahrungs­hintergrund gewonnen haben.

Das vorliegende Buch hat es unternommen, Modelle, Methoden und Erfahrungen aus der Behandlung Drogenabhängiger vorzu­stellen. Diese Eingrenzungen des Themas erwies sich im Hinblick auf die Fülle des Materials als notwendig. Hinzu kommt, daß im Unterschied zu anderen Fragestellungen des Drogenproblems über die Behandlung Drogenabhängiger nur wenige Veröffent­lichungen vorliegen, so daß auch aus diesem Grunde eine Zen­trierung notwendig war und auf Fragen der Ätiologie, Epidemio­logie, Prävention usw. nur am Rande eingegangen werden konnte. Eine derartige Eingrenzung kann allerdings nicht von den Fragen nach der Genese, der Entwicklung, und dem Verlaufsbild süch­tiger Fehlhaltungen im gesellschaftlichen Kontext entbinden. Ich bin nach wie vor der Auffassung, daß “jede therapeutische Arbeit den Kausalitäten in besonderem Maße zugewandt sein muß, und zwar nicht nur den Ursachen der individuellen Lebensgeschichte, sondern auch den gesellschaftspolitischen und sozialen Ursachen.

Das Drogenproblem, wie es sich in den modernen Industriestaaten darstellt, ist mit blo8er nachgehender Betreuung und Behandlung nicht zu meistern. Das zeigen die Erfahrungen in den Vereinigten Staaten, in Schweden, in den japanischen Großstädten. Eine Auseinandersetzung mit dem Drogenproblem muß deshalb d i e Faktoren unseres gesell­schaftlichen Systems ins Auge fassen, die mit dem horrenden Ansteigen des Alkoholismus, der Selbstmordziffer, der schweren Neuroseerkran­kungen und der Drogenabhängigkeit in Zusammenhang zu bringen sind... familiäre Zerrüttung, Überforderung, Leistungsdruck, Konsumzwang, Umweltzerstörung, Kommunikationsreduktion, Wertverlust. In der Therapie und Rehabilitation von Drogenabhängigen wird man nicht umhinkommen, sich mit diesen Faktoren auseinanderzusetzen” (Petzold 1972). Wenn es also in diesem Buch spezifisch um Drogentherapie geht, so sind die aufgezeigten Probleme dabei im Auge zu behalten.

Ich habe versucht, in diesem Reader Materialien zusammenzutra­gen, die ein Bild von Experimenten, Therapiemodellen und -me­thoden und den damit gewonnenen Erfahrungen geben. Es wer­den Programme aus den USA und Canada vorgestellt, die ich in den vergangenen Jahren besuchen konnte. Es werden therapeuti­sche Methoden dargestellt, die in der Behandlung Drogenabhän­giger Verwendung gefunden haben w. z. B. Psychodrama, Ge­stalttherapie, Verhaltenstherapie usw. Weiterhin werden Berichte und Selbstdarstellungen aus therapeutischen Einrichtungen in der BRD wiedergegeben.*

Schließlich finden sich einige programmati­sche Entwürfe und Konzeptionen zu Fragen der Drogentherapie. Zu den zentralen Anliegen dieses Buches gehören die Konzepte der Großraumkoordination, der Therapie-Kette, ohne die mir eine aussichtsreiche Rehabilitation von Drogenabhängigen nicht mög­lich erscheint, und das Konzept der therapeutischen Wohngemein­schaft, die sich auf die Kooperation von Fachpersonal (Therapeu­ten), Exusern und Klienten gründet. Für die Kette und die Wohngemeinschaft habe ich ein Vierstufenmodell entwickelt, das in mehreren großen Therapie-Ketten und zahlreichen kleineren Einrichtungen z.T. seit 1971 praktiziert wird.

So spiegelt dieses Buch auch meine eigene Arbeit als Therapeut, Ausbilder und Supervisor im Bereich der Drogentherapie wieder. Ein für mich erfreuliches Fazit dieser Arbeit sehe ich darin, daß der größte Teil der Mitarbeiter an diesem Band von mir ausge­bildet wurde und supervidiert wird.

Ich möchte diesen Mitarbeitern hier meinen herzlichen Dank aus­sprechen. Ohne ihren unermüdlichen Einsatz wäre dieses Buch - und was wichtiger ist - wären die beschriebenen Einrichtungen der Drogentherapie nicht zustande gekommen und hätte ich viele meiner Ideen nicht verwirklichen können. Mein Dank gilt vor allem meinen Kollegen vom ,,Fritz Perls Institut für Gestaltthera­pie und Kreativitätsförderung", insbesondere meinen Ko-Super­visoren Dr. med. Kurt Höhfeld, Dipl.-Psych. Katharina Martin, Dipl.-Psych. Ulrike Huy, die meine Arbeit trotz vieler Schwierig­keiten tatkräftig unterstützt haben sowie Herrn Ernst Knischews­ki und Herrn Dr. Eberhard Rieth vom ,,Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe”, durch deren Einsatz ich in den vergangenen drei Jahren zahlreiche Mitarbeiter von Heilstätten und Beratungs­stellen aus- und fortbilden konnte. Von den Kollegen in Übersee seien Prof. Dr. Marie-Andree Bertrand, Mitglied der kanadischen Kommission für Drogenfragen, Montreal, und Steve Jones, M. A., San Francisco, genannt, die mir in Canada und den USA den Zugang zu vielen Einrichtungen und Informationen ermöglicht haben.

Die wichtigsten Erfahrungen für die Therapie Suchtkranker aber verdanke ich all den Drogenabhängigen, mit denen ich sprechen, leben und therapeutisch arbeiten konnte.

 

Neuss, April 1974

Hilarion G. Petzold

 

*Von einer Darstellung therapeutischer Einrichtungen des Release-Typ haben wir abgesehen, da über den Release-Ansatz eine umfangreiche Monographie von U. SOLLMANN (1974) vorliegt.


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